Regel des hl. Albertus

Foto: Fresco von Pietro Lorenzetti: der hl. Albert übergibt die erste Regel an die Einsiedler

In dieser Situation befanden sich die ersten Karmeliten, die bereits einem der Brüder im Gehorsam unterstellt waren, noch bevor sie um eine für sie entsprechende Regel baten.
Sie standen unter der Jurisdiktion des Erzbischofs von Caesarea, wandten sich mit der Bitte um eine Regel aber an Albertus, den Patriarchen von Jerusalem, der damals in Akko residierte, da Jerusalem wieder unter muslimischer Herrschaft stand.

Die Regelgebung des hl. Albertus muss in den Jahren zwischen 1206 und 1209 erfolgt sein.
„...ein Oratorium soll inmitten der Zellen errichtet werden.“
So will es die Regel. Die Karmeliten bauten daher ein Oratorium, das Maria geweiht war. Damit führten sie die Tradition des alten griechischen Marienheiligtums fort, was auch in ihrer Namensgebung „Brüder der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel“ zum Ausdruck kam.
Die Karmelregel trägt drei religiöse Konzepte in sich: die eremitische Lebensweise, die zönobitische Lebensform und das Leben als Bettelbrüder. Die Kombination dieser drei Konzepte wurde nicht erdacht, sondern innerhalb eines Jahrhunderts gelebt:
Vom Eremiten - zum Zönobiten, vom Zönobiten - zum Mendikanten.
Die Spannungen zwischen diesen drei Typen gottgeweihten Lebens haben intern zu Konflikten geführt, bis auf den heutigen Tag. Aber sie haben die Karmeliten auch gezwungen, in die Tiefe zu gehen, um unter der Oberfläche nach dem mystischen Raum der Betrachtung zu suchen, von dem aus gesehen Formen und Konzepte relativ sind.
Durch die Bestätigung ihrer Lebensweise durch den Patriarchen war die Stellung des Karmels aber keineswegs gefestigt. Die Anerkennung war nur bischöflich und galt nur lokal.
Als deshalb 1215 das Vierte Laterankonzil die Explosion neuer religiöser Gruppierungen einzudämmen suchte, fühlten sich die Karmeliten in ihrer Existenz und ihren Entfaltungsmöglichkeiten bedroht. Daher suchten sie für die Lebensform des Albertus die päpstliche Approbation zu erhalten. 1226 empfingen sie von Honorius III. eine erste schriftliche Bestätigung, die 1229 mit drei Briefen Gregors IX. bekräftigt wurde.