Pseudo-Cyrillus-Brief

Foto: Fresco der ersten Einsiedler auf dem Berg Karmel

Auf dem Berg Karmel
In einigen anderen Einöden des Heiligen Landes verharrten sie unter der Ordnung des Eremitenlebens, wie es vom Propheten Elija eingerichtet war
In dem erwähnten (berühmten) Buch des Johannes beschrieben.
Und unten fügt er an: Deswegen wurden damals die Religionsriten auf dem Berg Karmel vielfältiger. Denn oftmals waren fromme Pilger aus dem Okzident, von der Ausstrahlung dieses Ortes angezogen, dazugekommen
Die Frömmigkeit der Eremiten, die diesen Berg bewohnten, veranlassten sie, der Welt zu entsagen
Um der Kontemplation himmlischer Dinge willen schlossen sie sich deren Leben (Haus- und Tischgemeinschaft) an. Es war aber zu jener Zeit der Patriarch von Antiochien
Im Heiligen Land der Gesandte des Apostolischen Stuhls, ein wahrhaft Gott wohlgefälliger Mann
Aymericus Malafayda aus dem Volk der Limousiner von dem Landgut Salamiacum, der, auf den lobenswerten Umgang unserer Benannten vorangegangenen Eremitenbrüder B. MARIAE vom Berg Karmel acht gebend, sie vieles im Geist des Herrn - besonders zu seiner Zeit - nährte (lehrte).
Aber sie erkannten, dass einige von denen, die vom Okzident dazugekommen waren, durch die Nichtbeachtung der Ermahnungen (verschmähten Prophezeiungen) der Alten nicht recht zur Wahrheit des religiösen Weges der Eremiten, wie er im genannten Buch des Johannes beschrieben ist, vordrangen
Sie erwogen deshalb, um das besser erfassen zu können, jenes Buch vom Griechischen ins Lateinische übersetzen zu lassen, weil sie kein Griechisch konnten und den Text nicht zu lesen verstanden.

Der Pseudo-Cyrillus-Brief, schildert in dieser zitierten Passage die Anfänge des Ordens, wie sie die ersten Generationen von Karmeliten verstanden. Er beschreibt die damalige Situation auf dem Berg Karmel. Dieser zählte zu einer der Gegenden im Heiligen Land, auf dem monastisches Leben eine lange Tradition und offensichtlich auch eine feste Ordnung, d. h. Struktur hatte, hier die Tradition des Propheten Elija. Sie habe sich konkret in einem Buch eines Johannes niedergeschlagen. Dieser Johannes ist historisch ebenso wenig nachweisbar wie der genannte Patriarch von Antiochien, Aymericus Malafayda. Der Briefschreiber weiß von einem Hinzukommen von Pilgern aus dem Okzident zu den Eremiten aus dem Orient, die bereits auf dem Berg lebten. Von der geistlichen Ausstrahlung des Ortes und der Eremiten angezogen, wünschten diese ebenfalls ein Leben der Kontemplation zu führen. Das bewog sie, sich niederzulassen und sich den bereits vorhandenen Eremiten anzuschließen. Als Lateiner, die aus dem Okzident kamen, beherrschten sie kein Griechisch, das die Eremiten jenes Ortes sprachen. So kam es zu Schwierigkeiten in der Verständigung. 

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